Ich zeichne gern und kritzle pro Jahr Unmengen Notizhefte voll. Für mehr Ordnung im 21 Jahrhundert und weniger Papierverbrauch habe ich mir das reMarkable Tablet gekauft. Mal sehen, ob es meinen Erwartungen zu Beruf und Freizeit stand hält.

Das reMarkable Tablet kommt in einer wertigen Verpackung daher.

Was ist das?

Das reMarkable ist ein minimalistisches aber reaktionsfreudiges monochromes E-Ink Tablet ohne aktive Beleuchtung. Dadurch ist es extrem stromsparend. Frei von Glas und mit 350g ist es auch relativ leicht. Die Batterie soll einige Tage durchhalten. Der beigefügte Stift erlaubt eine natürliche Führung und vermittelt ein sehr realistisches Zeichengefühl. Die Zeichenfläche entspricht in etwa DIN A5, was 10,3 Zoll Diagonale nahekommt. Es eignet sich auch um E-Books im EPUB- und PDF-Format wiederzugeben. Mit ca. 8 GB Speicher fasst es bis zu 100.000 Seiten. Es soll sehr robust und laut Hersteller praktisch unzerbrechlich sein (“virtually unbreakable”).

Anforderungen und Erwartungen

Ich habe mir das reMarkable Tablet zugelegt, um möglichst auf Papier zu verzichten. Sei es beim Verbessern meiner Zeichnen-Skills, beim Konzipieren meiner künftigen Apps oder Sortieren meiner Gedanken. Darüber hinaus möchte ich eine Alternative zum Kindle Paperwhite haben z.B. zum Lesen von größeren E-Books. Es soll mehrere Arbeitstage durchhalten und sich so weit wie möglich an Papier anlehnen. Mal sehen, ob meine Erwartungen erfüllt werden können.

Lieferung

Die Lieferung erfolgte aus Hongkong und für die Weihnachtszeit relativ schnell. Es dauerte lediglich 5 ganze Tage, bis DHL mein Paket über Weihnachten gebracht hat. Dies entspricht den Angaben auf reMarkable’s Website für Lieferungen nach Deutschland.

Inhalt

Das Tablet liegt in einer wertigen Verpackung und hat folgende Beigaben: einen Stift (Marker), 8 Ersatzmienen (Marker Tips), ein Micro-USB Flachband-Kabel, eine 6 Seiten kurze “Bedienungsanleitung” (Quick Guide).

Der Geruch, der einem um die Nase weht wenn man das Paket öffnet, ist als seien Weichmacher im Plastik. Ich lasse mich nicht davon irritieren. Ich will ja nicht bis zur Ohnmacht am Gerät schnüffeln, sondern feine Zeichnungen anfertigen.

Ich hätte erwartet, dass das Tablet in einem einfachen Sleeve oder Case daherkommt, aber leider ist es absolut blank. Der Hersteller ist offenbar so sehr von der Robustheit seines Produkts überzeugt, dass er die Hüllen nur optional anbietet.

Haptik

Das reMarkable Table ist leicht wie 3 Tafeln Schokolade. Seine erhabensten Stellen, wie Buttons und Ränder sind kaum spürbar, sodass sie beim Zeichnen zu keiner Zeit stören. Der Rand hin zur Zeichenfläche ist zwischen 7mm und 15mm ausreichend groß, um das Tablet aufrecht zu halten und die Zeichenfläche nicht mit den Finger zu berühren. Es hat zwei Gummileisten als “Füße”. Dadurch kann es beim Zeichnen nicht zu verrutschen.

Der mitgelieferte Stift ist leicht wie ein Bleistift und dick wie ein 08/15 Kugelschreiber oder Füller. Der Griff ist gummiert und liegt dank seiner runden Form immer gut in der Hand. Leider ist das auch sein Nachteil, denn durch die zylindrische Form rollt er schon mal gern vom Tisch. Am oberen Ende des Stifts ist ein geheimes Fach. Es beherbergt eine Ersatzmiene. Blöd nur, dass man sie ohne Werkzeug (wie etwa einer Zange) nicht rauskriegt… nun ja.

Startup

Nach dem Auspacken heißt es zunächst einmal das Tablet einzuschalten. Es dauert nur eine kurze Weile und es begrüßt den Anwender mit einem Einrichtungsassistenten. Dabei sollen Dinge eingerichtet werden, wie WLAN, Textgröße und links oder rechts-Händigkeit. Auch ein Online-Account soll am besten sofort angelegt werden. Einige der Angaben können auch übersprungen und später durchgeführt werden.

Falls man ein älteres Modell erwischt hat, beinhaltet es noch die Systemversion 1.0. In dieser sieht die Oberfläche leicht anders aus. Das lässt sich schnell in den Einstellungen (Settings) einfach auf den neusten Stand bringen. Das Update ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten.

Im Hintergrund werkelt übrigens ein Linux 4.9 auf einer Freescale armv7l CPU.

Companion Apps

Die auf dem Tablet erstellten Werke können auf Companion Apps per Sync mit der reMarkable-Cloud verteilt und dort verwaltet werden. So gibt es zur Testzeit ein Mobile App für iOS und Android, für Windows sowie macOS. Jede dieser Apps muss mit dem Account gekoppelt werden und bietet fortan den Abgleich in nahezu “Echtzeit”.

Des weiteren bietet das Tablet den Zugriff auf die Daten über ein experimentelles Web-Interface, sofern das Tablet per USB an einen Rechner angeschlossen wird. Dabei erhält es eine eigene IP-Adresse. Das Interface ist primitiv gehalten und bietet lediglich PDF zum Export an.

Leider erlaubt das reMarkable keinen Zugriff per Finder (macOS) oder Windows Explorer, wenn es wie Digicams an USB angeschlossen wird. Das wäre klasse und würde das oben erwähnte Web-Interface überflüssig machen… Scheinbar gibt es immer irgendeinen Haken. Oder?

Handhabung und Nutzererfahrung

Ich mag das Gewicht und das Format des Tablets. Die Gummileisten sind sehr praktisch und halten das Tablet sicher an seinem vorbestimmten Platz. Mit der Alu-Platte im Rücken kann ich nichts anfangen, vermutlich dient sie dem Schutz der Batterie. Who knows…

Die Tasten auf der Vorderseite sind eben, leicht seitlich beweglich aber haben einen guten Druckpunkt. Sie dienen der Navigation: vorherige Seite, Dokumentenübersicht, nächste Seite. Der Ein-/Ausschalter (Power Button) an der oberen Kante und die Micro-USB Buchse an der unteren Kante sitzen schön tief und sind kaum wahrnehmbar.

Das Setup ist einfach und trotz ausschließlich englischer Oberfläche verständlich. Es bietet nach der Ersteinstellung alle wichtigsten Funktionen für die versprochene Konnektivität. Sinnvoll wäre ein Hinweis auf die MAC-Adresse während der Einrichtung, denn z.B. bei meiner FRITZ!Box sorgt der rigorose MAC-Filter für Zugangskontrolle und höhere Sicherheit. Immerhin ist nach der WLAN-Einrichtung die IP-Adresse in den Settings auffindbar. Die Signalstärke des WLAN wird neben dem Batteriefüllstand angezeigt. Dabei ist mir aufgefallen, dass nicht jeder meiner Repeater mit dem Tablet klar kommt. Das muss ich noch mal genauer untersuchen, ich hoffe doch, dass das Tablet mit den gängigen Frequenzen bei 2,4 GHz und 5 GHz umgehen kann. Verrichtet das WLAN seinen Dienst, können die Erzeugnisse in die reMarkable-Cloud synchronisiert werden. Gleichzeitig können Updates des Systems abgefragt werden. Das ist nicht nur aus Sicherheitsgründen uninteressant. Auch neue Funktionen, wie bei v2.0.2.0 können einfließen.

Das WLAN lässt sich vernünftigerweise leicht in den Flugmodus versetzen, was es auch im Flieger nutzbar macht. Daneben gibt es mehrere Stufen von Schlafzuständen. Als erstes kann erwähnt werden, dass das Gerät dank des E-Ink Displays sehr lange “betriebsbereit” liegen gelassen werden kann. Es verbraucht ja kaum Energie. Dennoch kann man es (wahlweise automatisch) in den Schlafmodus versetzen. Dann wird der Bildschirm geleert und auf das Logo samt Schlaf-Hinweis reduziert. Hier kann man auch nach Bedarf ein PIN anfordern, was die Sicherheit erhöht (dringend empfohlen). Als letztes sei der Power-Off erwähnt, der das Gerät komplett herunter fährt. Das Total-Aus kann man auch herbeiführen, wenn man den Ein-/Aus-Schalter an der oberen Kante des Tables für mindestens 3 Sekunden hält. Die Aufwachdauer hängt klar von dem gewählten Schlafmodus ab. So ist während der Schlafphase das Tablet sofort verfügbar, doch nach dem Booten aus dem ausgeschaltetem Zustand braucht es ca. 10 Sekunden.

Beim Setup lässt sich die Ausrichtung der Schreibhand festlegen (links/rechts). Dadurch errechnet das Tablet die Lage des Handballen und sorgt für weniger Störungen auf der Zeichenfläche. Für Nutzer mit eingeschränkter Sehqualität bietet das Tablet eine Option zur Vergrößerung der Texte. Es gibt lediglich die Optionen “Normal” und “Groß” (Large). Die Zeit und die sinkende Sehstärke muss zeigen, ob dies ausreicht. Das neue Userinterface kann sicherlich auch ein “Extra-Groß” vertragen.

Die Auswahl an Tastatursprachen ist mau. Es gibt lediglich en_US (englisch) und fi_FI (finnisch). Das ist meiner Ansicht nach zu wenig für ein knapp 500€ teures Gerät.

Auffallend ist, dass die Batterieanzeige nicht akkurat ist. Trotz stundenlangen Ladens über Nacht war der Füllstand der Batterie bei nicht mehr als 92%. Das macht mich recht nachdenklich über die Qualität und Lebensdauer der Batterie.

Das E-Ink-Display ist mit ca. DIN A5 recht groß. Es reicht für die meisten Arbeiten aus. Ich glaube aber, dass die Beschränkung auf A5 nur der Gesamtgröße des Geräts geschuldet ist. Ein größeres Display wäre evtl. zu unhandlich. Das typische full-screen Flackern von E-Ink Displays kann auch das reMarkable nicht verstecken. Jenes bin ich nun seit Jahren beim Kindle gewohnt. Nutzer, die solch ein Display noch nie erlebt haben, werden evtl. etwas enttäuscht sein. Auch erscheinen nach einer Weile E-Ink typische Schlieren vergangener Seiten. Besonders deutlich treten sie beim Lesen von E-Books hervor. Herausstechend ist dagegen die geringe Distanz des Displays zur Frontscheibe. Sie beträgt lediglich einen Bruchteil eines Millimeters und sorgt für ein gutes Papier-Erlebnis. Die nutzbare Fläche liegt nur wenige Millimeter von dem Rand entfernt.

Die 226 DPI (Punkte pro Zoll) sorgen für fast pixelfreie Darstellung. Aus einer Entfernung von ca. 50cm sind die Punkte kaum wahrnehmbar. Das reicht meiner Ansicht nach gerade so aus, um das Gefühl einer Seite Papier aufkommen zu lassen. Leider sind nur 5 oder 6 Graustufen verfügbar - 16 wären mir lieber.

Der zeitliche Versatz (Lag) beim Schreiben oder Zeichnen ist gering. Es entsteht schnell ein Eindruck von “Echtzeit”.

Das Display beherrscht sowohl Berührungsgesten als auch die Navigation per Stift. Dieser liegt gut in der Hand. Der gummierte Griff lässt auch lange Zeichensessions zu. Der Stift ist passiv, d.h. er hat weder ein Batterie noch eine Induktionsspule. Das Display verrichtet die Arbeit allein und reagiert auf bis zu 2048 Druckstufen. Diese Art der Bedienung sorgt für eine stetige Abnutzung der Spitze des Stifts. Kein Wunder also, wenn der Hersteller passende Ersatzmienen in seinem Shop anbietet. Medienberichten zufolge kann man bei gleichmäßigen Gebrauch jeden Monat eine neue Spitze einsetzen. Hier fehlen mir eindeutig die Erfahrungswerte, aber cool klingt das nicht gerade.

Auch wenn die hohe Anzahl der Druckstufen zum rabiaten Umgang einlädt, aus Sorge das Display zu zerkratzen werden sich wohl die wenigsten trauen an ihre Limits zu gehen. Darum sind für mich auch nicht alle Stifttypen in der Software gut oder sinnvoll justiert. Der Standard Stifttyp zeichnet deshalb durch meinen sehr sanften Druck kaum bis gar nicht. Es bedarf schon deutlich mehr Kraft, um dem Tablet einen Strich abzugewinnen. Hier wäre eine Justierung in den Einstellungen angebracht. Die beste Erfahrung habe ich mit dem Fineliner gemacht. Schade, dass ich ihn jedes Mal auswählen muss, wenn ich ein Dokument wechsle.

Das Menü lässt sich neben per Stift auch per Finger und Gesten bedienen. Das ist auch dadurch möglich, weil die Schalter und Symbole sehr großzügig dimensioniert sind. Das UI ist spartanisch zugunsten einer verständlichen Navigation gehalten. Die Dokumente sind in Ordnern (Folder) organisiert. Individuelle Dateinamen geben Orientierung und erleichtern die Suche. Zusätzlich kommen zwei unterschiedliche Typen von Notizblöcken zum Einsatz: Notebooks und Quick Sheets. Warum es diese beiden gibt, muss ich noch erkunden. Momentan sehe ich in der Unterscheidung keinen Mehrwert. Neben den beiden Typen gibt es noch unveränderliche E-Books (EPUB) und Dokumente (PDF). Sie können mit einem Marker bemalt oder um Zeichnungen und Notizen erweitert werden. Das ist klasse! Alle Dokumente lassen sich nach Alphabet, Größe und letzter Änderung sortieren. Abgerundet wird das durch die Wahl zweier unterschiedlicher Ansichten: Liste oder Piktogramme. Minimalistisch, aber ausreichend.

Beim Zeichen stehen 6 verschiedene Stifttypen und ein Marker (Highlighter) zur Verfügung. Letzterer übermalt nicht zuvor Gezeichnetes, sondern untermalt es stattdessen - perfekt um Passagen in E-Books hervorzuheben. Bei reinen schwarz/weiss-Zeichnungen kann man dies aber auch zur Schattenbildung nutzen. Leider wird der Marker gelb/orange exportiert - das sieht dann etwas seltsam aus. Die Idee ist also gut, aber leider nicht ganz zu Ende gedacht. Für das Zeichnen kann eine aus 3 Stift-Stärken und eine aus 3 “Farben” kann frei gewählt werden.

Eine der ersten Zeichnungen auf dem Tablet sieht brauchbar aus:

Falsch gezeichnete Bereiche kann man mit zwei unterschiedlichen Radier-Funktionen korrigieren. Einmal gibt es da den klassischen Radierer, der an die Stiftspitze beschränkt ist. Er kann eine von 3 Stärken haben. Dann gibt es einen Areal-Radierer. Mit dessen Hilfe kennzeichnet man einen großen Bereich in einem Schwung umranden. Sofort nach dem Abheben des Stifts wird die Löschung ausgeführt und die eingekreiste Fläche entfernt. Auf ähnliche Weise kann man mit Hilfe des Bewegen- bzw. Bearbeiten-Werkzeugs einen Ausschnitt umkreisen und ihn bewegen, skalieren oder rotieren. Sehr praktisch!

Der Werkzeugkasten bietet eine Lupen-Funktionen an, mit denen man kleine Details ausarbeiten kann, wenn man nahe heranzoomt. Es gibt Zoomstufen zwischen 100% und 500% in 6 Schritten. Die Plus und Minus-Buttons der Lupe sind in der Lage auch andere, krumme Stufen abzubilden, wie etwa 144%.

Die letzte Aktion der Zeichnung kann rückgängig gemacht bzw. wiederholt werden. Das ist oft sinnvoll, um Schreibfehler zu vermeiden oder zu hastige Kritzeleien zu korrigieren. Um die größtmögliche Arbeitsfläche zu erhalten gibt es eine Funktion, die alle Schalter aus der Oberfläche ausblendet. So steht fast die gesamte Zeichenfläche zur Verfügung.

Jede Zeichnung lässt sich auch direkt per Email versenden. Dazu kann man eine Sammlung von oft verwendeten Email-Adressen anlegen, Inhalt der Nachricht und Bemerkung angeben, sowie Dateinamen und Export-Format wählen.

Ein weiteres Beispiel im Vergleich von Screen zu PNG-Export:

Vielversprechend klingt die Funktion “convert to text and send”. Diese erkennt die Handschrift und wandelt sie mit Hilfe der Cloud-KI in editierbaren Text um.

Nützlich klingt auch die Extra-Funktion LiveView (Beta), die das Bild live an ein Notebook sendet und so den Beamer simuliert. Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wie man an dieses Live-Bild herankommt…

Um die Sache abzurunden kann im Dokument vom Portrait- zum Landscape-Modus gewechselt werden. Dabei positionieren sich auch die Werkzeuge um. Die Ausrichtung wird im Dokument gespeichert, sodass spätere Arbeit im gewählten Modus fortgeführt wird.

Sehr nützlich ist die Vorlagen-Funktion (Templates). Diese richtet vorgefertigte Hintergrundbilder ein, wie Raster, Punkte, Linien, Storyboards, Perspektiven und To-Do Listen. Die Templates werden wie Ebenen behandelt, die es im übrigen auch gibt. Das bedeutet, dass sich nur die Elemente der gerade gewählten Ebene bearbeiten lassen. Zusammen mit der Bearbeiten-Funktion ist dies ein sinnvolles und starkes Set an Werkzeugen für sehr akkurate Konzept- und Gestaltungsarbeit.

Bisher ist mir nicht gelungen Angaben, die ich beim Account gemacht habe einzusehen oder zu korrigieren. Ich hoffe doch stark, dass reMarkable daran arbeitet, diese essentiellen Daten zugänglich zu machen und vor allem auch ändern zu lassen.

E-Books

Das Tablet kann auch E-Books laden. Man kann EPUB- und PDF-Dokumente per Drag&Drop in die Companion App hineinwerfen und sie erscheinen (einwenig) später auf dem Tablet. Leider war die Übertragung (selbst in die Companion App) unfassbar träge. Ich hätte erwartet, dass die Verteilung auf die Geräte (Tablet/Desktop/Handy) wesentlich schneller vonstatten geht. So bleibt lediglich sich in Geduld beim Synchronisieren zu üben.

Enttäuschend war die Erfahrung einigen “kleinen” E-Books im EPUB-Format. Das Öffnen gestaltete sich zu einer Geduldsprobe. Ein E-Book mit 300 Seiten und gerade mal 4 MB Größe brauchte zwischen 30 und 120 Sekunden bis es geöffnet und lesebereit war. Das ist miserabel. Schlimmer noch. Das Laden der E-Books auf der Companion App (z.B. Desktop) ist ebenso unerwartet langwierig. Ich habe das Gefühl als müsste jedes Buch in der Cloud umgerechnet werden. Das Problem ist aber stark von dem gewählten E-Book abhängig. Einige 300 Seiten starke E-Books waren innerhalb einer Sekunde geladen und standen sowohl auf dem Tablet als auch in der Companion App sofort zur Verfügung. Dabei scheint die träge Verarbeitung nicht bei PDF aufzutreten. Ob hier auch die geringe Anzahl der Seiten eine Rolle spielt…? Wer weiß.

Nachdem eins der trägen E-Books aber einmal komplett für die Darstellung durchgerechnet war, ließ es sich wieder flott öffnen. Seltsames Verhalten…

Um die E-Books optimal lesen zu können, bietet das reMarkable Tablet unterschiedliche Lese-Optionen an. Man kann sich die Seiten in Piktorgrammen anzeigen lassen, nach Texten suchen oder die Text-Einstellung anpassen. Darunter sind Buchstabengröße, Schriftart, Ränderbreiten, Textfluss und Linienabstand. Ausschnitte können mit der Lupen-Funktion genauso herangezoomt werden, wie eigens kreierte Dokumente. Einen Teil der Einstellmöglichkeiten kenne ich bereits vom Kindle und nutze sie für die beste Leseerfahrung. Ein Dauertest soll zeigen, wie gut sich das reMarkable Tablet zum Lesen eignet.

Der Ersteindruck ist toll. Die Seiten sind angenehm groß. Wenn einmal der Ausschnitt des sichtbaren Lesebereichs nicht passt, lässt sich selbst das korrigieren (adjust view).

Update: Inzwischen habe ich Notizen in einigen PDF-Dokumenten machen können. Das wirkt in der Tat sehr natürlich.

Fun-Fact

Da die Software auf Linux basiert, existiert auch ein SSH-Zugang zum Gerät. Das Passwort für root lässt sich im Info-Teil der Einstellungen herauslesen. Leider ist mir nicht gelungen eine Verbindung zum Tablet aufzubauen. Mein SSH Client quittierte den Login-Prozess stets mit folgender Meldung:

ssh_exchange_identification: read: Connection reset by peer

Shop

Im Online-Shop gibt es die sich schnell abnutzenden Marker Tips. Diese kosten zu je 8 Stück inkl. Versand (zur Zeit) sagenhafte 17 €, also knapp 2 € je Tip. Das ist heftig. Der Shop bietet auch einen sonderbaren Ersatzstift. Dieser ist aus Alluminuim, schwarz und hat sogar einen Spanner. Dieser hat nur einen einzigen Zweck: Das gewohnte Klacken beim Denken zu ermöglichen. Skurril - bietet es doch einen gewissen Fun-Factor. Mit 99 € (ohne Versand) sind wir dabei. Zuguterletzt gibt es auch Sleeves (Folios genannt). Diese haben für 79 € gerade so viel Material, das das Tablet geschützt transportiert werden kann. Immerhin hat es auch einen Stifthalter…

Zusammenfassend muss ich sagen, dass das Equipment nicht gerade günstig ist. Vor allem die Verbrauchsware kann auf Dauer teuer werden. Ich schau mich auf jeden Fall nach Alternativen um…

Ideen zur Verbesserung

Mit der Zeit findet man hier und da ein paar Verbesserungsvorschläge. Die folgenden habe ich bereits nach wenigen Tagen in der Schublade:

  • Klasse wäre es, wenn man eigene Templates hochladen und nutzen könnte. Dabei fallen mir einige Vorlagen ein, die ich bei der Arbeit nutze, wie z.B. Scrum-Karten und App-Rahmen für gängige Mobil-Telefone.
  • Um die Menge der kompatiblen E-Books zu vergrößern, sollten auch MOBI und andere File-Formate unterstützt werden.
  • Ein Webbrowser würde zusammen mit einer Markierungsfunktion und einem anschließenden Export als Notebook-Sketch einen wertvollen Beitrag bieten, um Texte von Webseiten um Notizen zu ergänzen.
  • Die Vorlagen für To-Do Listen sind schon nett, aber eine Funktion mit derer man die Einträge umsortieren könnte, wäre hilfreich.

Fazit

Im Grunde ist das reMarkable Tablet nichts weiter als ein teures Notizblock, dessen Erzeugnisse man auf dem Desktop laden und weiterverarbeiten kann. Es gibt keine störenden Apps. Die Funktionen sind überschaubar.

Ob das reMarkable Tablet seinen vollen Wert entfalten kann, muss sich noch zeigen. Viele Hauptfunktionen sind wie erwartet, jedoch machen mir einige Dinge sorgen. Vor allem der Cloud-Zwang, das schlechte Account-Management, die teils schlechte Laufzeit beim Verarbeiten von E-Books im EPUB-Format, als auch die hohen Kosten für die Ersatzmienen machen mir den Kauf madig.

Dem gegenüber stehen Display-Größe, Bedienung, Geschwindigkeit, Gewicht, Ausdauer der Batterie und der Purismus.

Das Ergebnis des Langzeittests folgt in einigen Monaten.

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